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Pastoralassistentin Andrea Felden

technology (c) www.pixabay.com

Adventskalender 2. Dezember 2021 ~ Gibt es den perfekten Weihnachtsschmuck? ~

Krippenwanderweg (c) Andrea Felden

Deko ist absolute Geschmackssache.
Der Eine mag es schrill und bunt, der andere eher dezent.

Ich persönlich mag besonders die Lichter in der Adventszeit.
Am allerliebsten ist es mir diese Zeit immer wieder zum Schmücken und Dekorieren zu nutzen.
So könnte beispielsweise am 1. Advent schon der Weihnachtsbaum im Raum stehen und seinen einzigartigen Duft verbreiten.
Bis Heiligabend könnten dann nach und nach erst mal die Lichter den Weihnachtsbaum schmücken.
Dann kommen irgendwann die Kugeln dazu.
Die Krippe könnte als nächstes aufgestellt werden.
Als vorletztes ziehen die Figuren (Maria, Josef, Ochs und Esel, Hirten, Schafe, usw.) ein.
Auch die heiligen drei Könige machen sich in einiger Entfernung schon mal auf den Weg.
Nach der Christmette als Krönung des Ganzen wird zum guten Schluss das Jesuskind dazu gelegt.
So wäre die Adventszeit für mich zum Dekorieren und zum Erleben der Erwartung auf die Geburt Christi perfekt.
Aber jeder wie er mag.

Zum Dekorieren braucht es nicht viel. Ein wenig Licht reicht da schon.
Dieses Licht scheint in uns allen und Gott hat uns, um dies zum Ausdruck zu bringen, eine wundervolle „Deko“ geschenkt.
Unser Lächeln😊

Lasst uns besonders in dieser „dunklen“ Jahreszeit noch häufiger und bewusster diese großartige Deko vor allem Menschen, die es gerade nicht so leicht haben, zum Geschenk machen.
Dieses unsere Lächeln kann ein Licht entzünden, in jedem, der es empfängt.

 Impuls von Ivonne Weber
 

Adventskalender 1. Dezember 2021 ~ Die Wartezeit auf die Ankunft des Erlösers versüßen ~

Er gehört in jede Adventszeit, für Groß und Klein: der Adventskalender. Ich selber freue mich auch Jahr für Jahr immer wieder darauf. Zum einen macht es mir Spaß, mir Gedanken darüber zu machen, mit welchem Kalender ich meinen Lieben die Adventszeit verschönern kann. Ich freue mich aber genauso über die Ideen, die sich jemand über mich gemacht hat. Der Adventskalender verschafft Groß und Klein täglich eine kleine Freude im Alltag, ein wenig Spannung und Ruhe in dieser leider oft viel zu hektischen Zeit.

Die Theologin Dorothee Sölle schreibt:
Du sollst dich selbst unterbrechen. Zwischen Arbeiten und Konsumieren soll Stille sein und Freude, dem Gruß des Engels zu lauschen: Fürchte dich nicht! 

 Zwischen Aufräumen und Vorbereiten sollst du es in dir singen hören, das alte Lied der Sehnsucht: Maranata, komm, Gott, komm! 

 Zwischen Wegschaffen und Vorplanen sollst du dich erinnern an den ersten Schöpfungsmorgen, deinen und aller Anfang, als die Sonne aufging ohne Zweck und du nicht berechnet wurdest in der Zeit, die niemandem gehört außer dem Ewigen. 

Besonders schön finde ich auch das Lied „Hey, ich schenk dir ne Kalender“ von „de Höhner“. Viel Spaß beim Hören:
https://www.youtube.com/watch?v=oMx97Xp1i0w 

 Impuls von Brigitte Moßler

Adventskalender 30. November 2021 ~ Apostel Andreas ~

Andreas (c) Andrea Felden

Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden - das heißt übersetzt: Christus. (Joh 1,40f.)

Die Namen Andreas und Andrea gehören zu den häufigsten Vornamen und so teile ich mir den Namenstag am 30. November mit vielen Menschen. Unser Namenspatron steht in den Evangelien meistens eher im Hintergrund hinter seinem Bruder Petrus. Das Johannesevangelium weiß aber zu berichten, dass es Andreas war, der zuerst die Bekanntschaft mit Jesus gemacht und ihn als den verheißenen Messias erkannt hatte. Voller Begeisterung erzählte Andreas seinem Bruder von diesem Jesus und führte ihn dort hin. Der Rest ist Geschichte. Andreas war wohl keine Führungspersönlichkeit wie Petrus, der schon bald zum Sprecher der Apostel wurde. Aber Andreas war Pionier, bereit neue Wege zu gehen, und anderen Menschen den Weg zu Jesus zu zeigen. An Andreas können wir sehen, dass Mission nicht unbedingt bedeutet,  auf dem Marktplatz zu predigen oder bei fremden Menschen an der Tür zu klingeln. Andreas missioniert zu Hause, bei seiner eigenen Familie, und er tut es nicht mit vielen Worten, sondern einfach durch seine eigene Begeisterung. Petrus und Andreas sind ungleiche Brüder, aber zu beiden gemeinsam sagt Jesus:  "Ich werde euch zu Menschenfischern machen."  (Mt 4,19)

Die Pfarreiengemeinschaft Adenauer Land hat in der Kirche St. Andreas in Ahrbrück vor genau einem Jahr die Legende des Heiligen Andreas aus dessen eigener Sicht nacherzählt. Die Kirche, in der das Video damals aufgezeichnet wurde, ist heute leider durch das Hochwasser so stark beschädigt, dass sie nicht mehr wirtschaftlich saniert werden kann. Wahrscheinlich wird sie abgerissen werden. Ironischerweise drückte die Ahr ausgerechnet durch die Kirchenfenster mit der Darstellung des beim Fischen im Wasser stehenden Andreas in den Kirchenraum. Ist das jetzt ein Grund zu Verzweifeln oder Verbittern? Andreas ist als Märtyrer gestorben. Das bedeutet, dass er seinem Glauben auch unter den schwierigsten Bedingungen treu geblieben ist. Ich will mir an ihm ein Beispiel nehmen und mich durch keine Anfechtungen, auch durch keine Seuchen oder Naturkatastrophen, entmutigen lassen.

https://m.youtube.com/watch?v=TAwCq5S4Fgo&t=93s

 Impuls von Andrea Felden

Das Foto wurde in der Pfarrkirche in DAhlem gemacht.

Adventskalender 29. November 2021 ~ Rorate ~

Rorate (c) Brigitte Moßler

Eine Marienmesse im Advent 
In den kommenden Tagen finden in unserer GdG am frühen Morgen, vor Sonnenaufgang, oder spät am Abend, nach Sonnenuntergang, die Rorate-Messen statt. Die Kirchen sind meist nur von Kerzen beleuchtet. So ergibt sich eine besondere und schöne, besinnliche Atmosphäre. Symbolisch wartet die Gemeinde in der dunklen Kirche auf das Kommen des Lichts, auf Christus. Man könnte meinen, es ginge um die Vorbereitung auf die Geburt Jesu. Aber eigentlich ist die Rorate-Messe eine Messe für Maria, die Mutter Gottes, denn ohne Mutter gäbe es keine Geburt. Der Priester trägt in dieser Messe daher ein weißes Gewand, kein violettes, wie es in der Adventszeit (Bußzeit) sonst üblich ist.

Der traditionell verwendete Eingangsvers „Tauet Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor“ stammt aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja (Jesaja 45,8). Er verweist auf die Menschwerdung Gottes, die der Engel Maria verheißt. Das Evangelium ist traditionell die Verkündigung des Herrn aus dem Lukasevangelium, in dem der Erzengel Gabriel Maria die Geburt Jesu ankündigt.

 Impuls und Foto von Brigitte Moßler 

Adventskalender 28. November 2021 ~ Was bedeutet Advent? ~

Winterlandschaft (c) Lydia Kaczmarczyk

Advent bedeutet für mich: warten, etwas erwarten.
Das Wort warten und erwarten hatte für mich als Kind eine andere Bedeutung, wie später als erwachsene Frau im Alltag, als auch im Advent. 

Im Advent wartete ich als Kind darauf, ein weiteres Türchen am Adventskalender zu öffnen. Was erwartete ich hinter dem Türchen? Meine ersten Erinnerungen sind kleine bunte Bildchen. Ein paar Jahre später erwarteten mich kleine Schokoladenstückchen. Auf jeden Fall bedeutete jedes geöffnete Türchen: Ein Tag näher dem Weihnachtsfest.

Worauf warte ich als erwachsener Mensch?
Mir ist in den Jahren des Erwachsenwerdens klar geworden, dass das Warten ein Bestandteil des menschlichen Lebens ist. 
Ja, worauf warten viele Menschen, auch ich?
Wir warten auf eine Veränderung oder Verbesserung in unserem persönlichen Leben und auch in der Welt.- 
Was ist mein adventliches Warten? Ich warte auf Gottes Kommen. Ich glaube, dass er auch heute noch auf dem Weg zu uns ist, um eine Herberge zu finden. Er legt eine Spur seines Kommens in unser Leben, in unsere Lebensmitte. Nehme ich diese Spur wahr oder warte ich noch darauf sie zu finden? Werde ich die Spur erkennen und Gott finden? Aber woran soll ich ihn erkennen?
Vielleicht daran, dass ich der Spur des Lichtes und der Liebe gerade im Advent folge, denn ich weiß, Gott ist das Licht und Gott ist die Liebe. Ich vertraue darauf. 

Wenn ich in der Adventszeit mein Herz und mein Haus jeden Tag ein wenig mehr öffne, kann sein Licht und seine Liebe hereinkommen. 
Dann kann Gott in mir lebendig werden - an Weihnachten - und darüber hinaus.

 Impuls von Christel Micken

Wochenimpuls 22. November 2021 ~ Krone der Schöpfung ~

Krone (c) Peter Weidemann in Pfarrbriefservice

Am vergangenen Sonntag beging die Kirche das Hochfest "Christus, König der Welt". Ein Fest, das etwas aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Aus der Zeit gefallen war es aber schon in dem Jahr, als es eingeführt wurde: Erst seit 1925 gibt es diesen Termin im Kirchenjahr, und schon damals hatten die gekrönten Häupter in den europäischen Monarchien keine echte politische Entscheidungsgewalt mehr. 

Es stimmt schon: Durch die Taufe haben wir alle mit Jesus Christus Anteil an seiner Königswürde. Aber was heißt das, König oder Königin zu sein? Im Arztwartezimmer kann man sich mithilfe der ausliegenden Klatschblätter über die Skandale und Skandälchen des Hochadels informieren, um sich die Zeit zu vertreiben. Aber wozu sonst gibt es noch Könige? Und was hat das mit uns und mit Jesus Christus zu tun? Könnte das Kirchenfest nicht in „Christkanzlersonntag“ oder „Christpräsidentensonntag“ umbenannt werden? 
Der Unterschied ist: Eine Kanzlerin oder ein Präsident wird auf eine bestimmte Zeit gewählt. Ausschlaggebend für die Wahl sollte im Idealfall die persönliche Eignung des Kandidaten für das Amt sein. Ein Platz in der Thronfolge hingegen wird geerbt. Schon bei der Geburt wird die Königswürde dem neugeborenen König zugesprochen, lange bevor das Kind irgendeine Leistung vorweisen kann. Und diese Königswürde behält der König sein Leben lang. Das ist einerseits ein Geschenk, andererseits aber auch eine Herausforderung. Der König muss seine Eignung nicht beweisen, um König zu werden, aber er muss mit der Herausforderung leben, sich seines Amtes immer wieder als würdig zu erweisen. Jesus hat sein Königtum so definiert:

 "Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege." (Joh 18,37)

Als Christin bin ich in diesem Sinne Königin zusammen mit Christus. Werde ich dieser Würde gerecht? Übernehme ich mit Jesus zusammen Verantwortung für die Welt, in der ich lebe? Trete ich ein für die Wahrheit, beziehe ich Stellung auch gegen Verschwörungstheorien und rechte Propaganda? Mache ich den Mund auf, wenn über meinen Glauben gespottet wird? Ich gestehe, das gelingt mir nicht immer. Es ist mein Glück und mein Pech, dass eine Königin nicht abgewählt werden kann. Ich kann mich vor der Verantwortung nicht drücken.

Die katholischen Jugendverbände hatten das zur Zeit des "Dritten Reichs" sehr gut verstanden. Ihre Arbeit war seit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten starken Einschränkungen unterworfen. Weil keine Konkurrenz zur Hitlerjugend geduldet wurde, durften kirchliche Jugendgruppen sich nicht mehr zu den üblichen Gruppenaktivitäten versammeln. Nur Gottesdienste waren noch erlaubt. In dieser Zeit bekam das Christkönigfest eine starke politische Bedeutung. Da Prozessionen als Gottesdienst zählten, versammelten sich die katholischen Jugendlichen an Christkönig unter Flaggen mit dem Christusmonogramm. Damit setzten sie ein Zeichen gegen die allgegenwärtigen Hakenkreuzflaggen und brachten zum Ausdruck, dass der selbsternannte "Führer" nicht der wahre Herrscher der Welt ist.

Und heute? Mit einigen aktuellen Problemen beschäftigen sich die "Prinzen" in ihrem Lied "Krone der Schöpfung". Es nimmt ironisch Bezug auf die biblische Aufforderung, sich die Erde "untertan" zu machen und zeigt, wie Königtum eben nicht verstanden werden darf. 
https://youtu.be/19RuONRmI_8

 

Wochenimpuls 15. November 2021 ~ Brot und Rosen ~

Elisabeth (c) Andrea Felden

 Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer. (Joh 12,8)

Am gestrigen Sonntag war der "Welttag der Armen", der von Papst Franziskus vor 5 Jahren ins Leben gerufen wurde und seitdem immer an dem Sonntag zwei Wochen vor dem 1. Advent begangen wird. Dieses Jahr steht er unter dem Motto "Die Armen habt ihr immer bei euch." Jesus sagt diese Worte in den Evangelien, nachdem eine Frau ihn mit kostbarem Nardenöl gesalbt hat. Die Jünger kritisieren die Frau: Man hätte das teure Duftöl für viel Geld verkaufen können und den Erlös an Arme spenden. Jesus verteidigt die Frau. Luxus widerspricht dem christlichen Glauben nicht unbedingt. Wenn wir die Kirchenräume mit kostbaren Materialien schmücken, um unsere Verehrung für Jesus Christus auszudrücken, können wir uns auf das Evangelium berufen. Andererseits steckt in dem Satz "Die Armen habt ihr immer bei euch" aber auch der Appell, den Schwächsten mit dem gleichen Respekt zu begegnen, Jesus in ihnen zu erkennen. Dazu gehört erst einmal, wahrzunehmen, dass es Armut gibt. Überall. Wir haben die Armen "immer" bei uns. Aber die Armut ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, weil die Betroffenen sich dafür schämen und ihre Bedürftigkeit verstecken. Und dann die Frage: Sind die Armen wirklich "bei uns", in unserer Mitte? Als vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft? Die Kirchen engagieren sich zwar sehr stark auf dem Gebiet der Caritas bzw. Diakonie. Aber dort sind die Armen eben doch meistens nur Klienten und Klientinnen. In unseren Gottesdiensten, Chören oder Gremien findet man dagegen fast nur die Mittelschicht. Was müsste sich in der Kirche ändern, damit Menschen aus wirklich allen sozialen Schichten sich als Teil der Gemeinschaft fühlen, und sich auf Augenhöhe begegnen? So dass es keine Unterscheidung mehr gibt zwischen Gebern und Empfängern? So dass wir anerkennen, dass jeder Mensch etwas zu geben hat, auch der Ärmste, und jeder Mensch bedürftig ist, auch der Reichste? "Die Armen habt ihr immer bei euch." Dieser Satz ist auch heute noch ein Anspruch, dem gerecht zu werden nicht leicht ist. 

Dazu passt, dass diese Woche Freitag (19.11.) der Gedenktag der Heiligen Elisabeth von Thüringen ist. Die "Lady Diana des Mittelalters" interessierte sich überhaupt nicht für Standesunterschiede, und eckte damit ständig bei der High Society an. Nach der berühmtesten Legende über Elisabeth von Thüringen wollte ihre Schwiegermutter sie rügen, als sie schon wieder einen Korb voll Brot zu den Hungrigen bringen wollte. Doch als die Schwiegermutter das Tuch von dem Korb hoch hob, waren statt Brot lauter Rosen darin. Eine andere Legende erzählt, dass Elisabeth eines Tages einen kranken Bettler in ihr eigenes Bett legte, um ihn zu pflegen. Als Elisabeths Mann die Decke von dem Aussätzigen hoch hob, sah er Jesus Christus in dem Bett liegen. Elisabeth hatte die Armen und damit Christus wortwörtlich "bei sich".

Nun bin ich natürlich froh, dass die Pflege sich heute professionalisiert hat. Ich selbst habe ja früher als Krankenschwester gearbeitet. Niemals wäre es mir in den Sinn gekommen, mein eigenes Bett mit einem Patienten zu teilen. Aus Gründen der Hygiene begrüße ich, dass es im Unterschied zum Mittelalter heute Krankenhäuser und fachlich qualifiziertes Personal gibt (wenn auch zu wenig davon). Aber es besteht eben auch die Gefahr, Armut, Krankheit und Sterben nicht mehr als Teil des normalen Lebens wahrzunehmen, wenn wir diese Themen vollständig auslagern an die entsprechenden Institutionen.

Wochenimpuls 8. November 2021 ~ Kleider machen Leute ~

Martin (c) Andrea Felden

 Mit Gold und Silber konntest du dich schmücken, aus Byssus, Seide und buntem Gewebe war dein Gewand. Feinmehl, Honig und Öl aßest du. So wurdest du überaus schön, du wurdest tauglich zu königlicher Herrschaft.  (Ez 16,13) 
 Ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. (Mt 25,36)
 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße! (Lk 15,22)

Nachdem im vorigen Jahr die Martinszüge ausfallen mussten, wird es nun in dieser Woche endlich wieder leuchtende Laternen und leuchtende Gesichter geben. Der heilige Martin ist seit über 1500 Jahren einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen. In der heutigen Zeit werden die Traditionen rund um Sankt Martin vor allem von Kindergärten und Grundschulen gepflegt. Doch die Geschichte von der Mantelteilung ist kein "Kinderkram"; sie enthält auch für Erwachsene eine wichtige und aktuelle Botschaft. Denn Schutz vor Kälte ("sonst ist der bittre Frost mein Tod") ist nur ein Aspekt von Kleidung. Vielleicht noch nicht einmal der wichtigste. "Kleider machen Leute" lautet eine Redensart. Der König ist an seiner Kleidung zu erkennen und der Bettler ebenfalls. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn drückt der Vater seine Liebe zu seinem reuigen Sohn aus, indem er ihm festliche Kleidung schenkt. Und nach dem Matthäus-Evangelium ist jede Kleiderspende ein Geschenk an Jesus selbst. Kleidung ist mehr als nur Schutz vor Kälte. Jemandem die Kleidung wegnehmen ist mehr als nur das Wegnehmen von Kälteschutz. Vor seiner Kreuzigung nahmen römische Soldaten Jesus die Kleidung weg, um ihn noch mehr zu demütigen. Nackt und würdelos sollte er sterben. Der Heilige Martin, ebenfalls ein römischer Soldat, hat dem Bettler (und damit Jesus Christus) nicht nur ein Stück Stoff gegeben. Er hat ihm auch seine Würde zurück gegeben.

Dieses Gebet des Martin von Tours ist überliefert:
"Herr, segne meine Hände,
dass sie behutsam seien,
dass sie halten können, ohne zu Fesseln zu werden,
dass sie geben können ohne Berechnung,
dass ihnen innewohnt die Kraft, zu trösten und zu segnen.

Herr, segne meine Augen,
dass sie Bedürftigkeit wahrnehmen,
dass sie das Unscheinbare nicht übersehen,
dass sie hindurchschauen durch das Vordergründige,
dass andere sich wohlfühlen können unter meinem Blick.

Herr, segne meine Ohren,
dass sie deine Stimme zu erhorchen vermögen.
dass sie hellhörig seien für die Stimme der Not, dass sie verschlossen seien für Lärm und Geschwätz,
dass sie das Unbequeme nicht überhören.

Herr, segne meinen Mund,
dass er dich bezeuge,
dass nichts von ihm ausgehe, was verletzt und zerstört,
dass er heilende Worte spreche,
dass er Anvertrautes bewahre.

Herr, segne mein Herz,
dass es Wohnstatt sei deinem Geist,
dass es Wärme schenken und bergen kann,
dass es reich sei an Verzeihung,
dass es Leid und Freude teilen kann."
 St. Martin, 4. Jahrhundert

Das Foto ist in der Kapelle St. Martin in Freilingen aufgenommen.

Wochenimpuls 8. November 2021 ~ Kleider machen Leute ~

Martin (c) Andrea Felden

 Mit Gold und Silber konntest du dich schmücken, aus Byssus, Seide und buntem Gewebe war dein Gewand. Feinmehl, Honig und Öl aßest du. So wurdest du überaus schön, du wurdest tauglich zu königlicher Herrschaft.  (Ez 16,13) 
 Ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. (Mt 25,36)
 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße! (Lk 15,22)

Nachdem im vorigen Jahr die Martinszüge ausfallen mussten, wird es nun in dieser Woche endlich wieder leuchtende Laternen und leuchtende Gesichter geben. Der heilige Martin ist seit über 1500 Jahren einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen. In der heutigen Zeit werden die Traditionen rund um Sankt Martin vor allem von Kindergärten und Grundschulen gepflegt. Doch die Geschichte von der Mantelteilung ist kein "Kinderkram"; sie enthält auch für Erwachsene eine wichtige und aktuelle Botschaft. Denn Schutz vor Kälte ("sonst ist der bittre Frost mein Tod") ist nur ein Aspekt von Kleidung. Vielleicht noch nicht einmal der wichtigste. "Kleider machen Leute" lautet eine Redensart. Der König ist an seiner Kleidung zu erkennen und der Bettler ebenfalls. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn drückt der Vater seine Liebe zu seinem reuigen Sohn aus, indem er ihm festliche Kleidung schenkt. Und nach dem Matthäus-Evangelium ist jede Kleiderspende ein Geschenk an Jesus selbst. Kleidung ist mehr als nur Schutz vor Kälte. Jemandem die Kleidung wegnehmen ist mehr als nur das Wegnehmen von Kälteschutz. Vor seiner Kreuzigung nahmen römische Soldaten Jesus die Kleidung weg, um ihn noch mehr zu demütigen. Nackt und würdelos sollte er sterben. Der Heilige Martin, ebenfalls ein römischer Soldat, hat dem Bettler (und damit Jesus Christus) nicht nur ein Stück Stoff gegeben. Er hat ihm auch seine Würde zurück gegeben.

Dieses Gebet des Martin von Tours ist überliefert:
"Herr, segne meine Hände,
dass sie behutsam seien,
dass sie halten können, ohne zu Fesseln zu werden,
dass sie geben können ohne Berechnung,
dass ihnen innewohnt die Kraft, zu trösten und zu segnen.

Herr, segne meine Augen,
dass sie Bedürftigkeit wahrnehmen,
dass sie das Unscheinbare nicht übersehen,
dass sie hindurchschauen durch das Vordergründige,
dass andere sich wohlfühlen können unter meinem Blick.

Herr, segne meine Ohren,
dass sie deine Stimme zu erhorchen vermögen.
dass sie hellhörig seien für die Stimme der Not, dass sie verschlossen seien für Lärm und Geschwätz,
dass sie das Unbequeme nicht überhören.

Herr, segne meinen Mund,
dass er dich bezeuge,
dass nichts von ihm ausgehe, was verletzt und zerstört,
dass er heilende Worte spreche,
dass er Anvertrautes bewahre.

Herr, segne mein Herz,
dass es Wohnstatt sei deinem Geist,
dass es Wärme schenken und bergen kann,
dass es reich sei an Verzeihung,
dass es Leid und Freude teilen kann."
 St. Martin, 4. Jahrhundert

Das Foto ist in der Kapelle St. Martin in Freilingen aufgenommen.

Wochenimpuls 1. November 2021 ~ Keine Angst vor Gespenstern! ~

Kreuz2 (c) Andrea FElden

Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! (Mt 14,26f.)

 Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen?  (Lk 24,36ff.)

 Tod, wo ist dein Sieg? / Tod, wo ist dein Stachel? (1Kor 15,55)

"Wir haben keine Angst vor Gespenstern!" Das war der Slogan der coolen Geisterjäger aus dem Film Ghostbusters. Das könnte meiner Meinung nach aber auch ein christlicher Slogan sein. Ja, ich gestehe: Ich mag Halloween. Ich habe mich gestern Abend über jedes als Teufel, Skelett oder Vampir verkleidete Kind gefreut, das bei mir geklingelt und schüchtern "Süßes oder Saures" gepiepst hat. Ich selbst war als Werwolf verkleidet. 

Halloween ist ein fröhliches Fest der Angst. Die Menschen machen sich an Halloween lustig über den Tod. Die Kinder lernen, über ihre Ängste zu lachen. Das finde ich genial. Denn ein Problem oder eine Angst wird sofort kleiner, wenn man darüber lachen kann. Daher ist Halloween meiner Interpretation nach kein Fest, das Angst macht, sondern eins das im Grunde genommen Angst wegnimmt. Die Kinder verkörpern das, was ihnen Angst macht, selbst und können es damit ein kleines Stück besiegen.

Daher sehe ich keinen Widerspruch zwischen dem bunten Treiben am Abend des 31. Oktobers einerseits und andererseits den Gottesdiensten und  Gräbersegnungen am 1. November. Beides wurzelt in der Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort haben wird. Jesus Christus ist uns über die Schwelle zwischen Leben und Tod voraus gegangen und hat dabei den Tod besiegt. Der Tod hat sich an Ostern lächerlich gemacht. Seitdem können wir über ihn lachen. Das gilt nicht nur für alle Heiligen. Sondern für alle.

"Das Leben heiligen
nicht den heiligen Schein bewahren
das Leben heiligen
Tag für Tag
uns aus der Gewohnheit erheben
aus der Trägheit reißen
aus dem Niederdrückenden retten
das Leben heiligen
uns im Licht des Ewigen betrachten
die Lebensfreude mit anderen teilen
das Leben heiligen
kein Sonderrecht für ein paar Auserwählte
der Ruf ergeht an alle"
 Gaby Faber-Jodocy

(Das Foto habe ich am Friedhof in Kronenburg aufgenommen.)

Wochenimpuls 25. Oktober 2021

Herbst (c) Andrea Felden

Da zog der HERR vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem HERRN voraus. Doch der HERR war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der HERR war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der HERR war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle. (1Kön 19,11ff.)

STILLE
Die Stille fehlt uns nicht, denn wir haben sie.
An dem Tag, an dem sie uns fehlt,
haben wir nicht verstanden, sie uns zu nehmen.
Aller Lärm, der uns umgibt, macht viel weniger Getöse als wir selbst.
Der wahre Lärm ist das Echo, das die Dinge in uns haben.
(Madeleine Delbrêl)

In der vergangenen Woche zeigte sich der Herbst von seiner stürmischen Seite. Der Sturm draußen passte gut zu meinem inneren Erleben, denn ich hatte viele Verpflichtungen und wusste nicht, wo ich anfangen sollte vor lauter Arbeit. Dann, am Freitag, fuhr ich von Dollendorf in Richtung Ahrhütte. Und auf einmal sah ich die herbstliche Straße vor mir und war überwältigt von der Schönheit. Auf der einsamen Strecke hielt ich einfach an und machte direkt durch die Frontscheibe dieses Foto. Ein kurzer Moment der Stille mitten im Trubel des Alltags.

Heute, am Montag, beginnt nach dem Wochenende wieder die Werkwoche und für die Schulkinder geht nach 2 Wochen Ferien die Schule wieder los. Der Alltag mit seinen vielen Anforderungen zieht ein. Ich wünsche Ihnen in dieser Woche immer wieder solche Momente der Stille inmitten des Sturms.

Wochenimpuls 18. Oktober 2021 ~ Für mich solls rote Rosen regnen ~

Rosenkranzkreuz (c) Andrea Felden

Das Kreuz an der K7 im Wald hinter Lommersdorf schmückt sich im Oktober mit einem Rosenkranz. Der ganze Monat ist diesem besonderen Gebet gewidmet. Beim Rosenkranzgebet lassen die Betenden die Perlen einer Kette durch die Finger gleiten und sprechen dabei 1x das Glaubensbekenntnis, 6x das Ehre sei dem Vater, 6x das Vaterunser und 53x das Gegrüßet seist du Maria. Was in der Beschreibung so langweilig klingt und beim Zuschauen auch langweilig aussieht, ist in Wahrheit eine alte Meditationsform. Man könnte sagen, der Rosenkranz ist das katholische Pendant zu buddhistischen Mantras oder Yoga. 

Ich persönlich bete den Rosenkranz sehr gerne, weil ich dadurch innerlich zur Ruhe komme. Durch das Sprechen der immer gleichen Worte wird es in meinem Kopf ruhig, weil ich nicht darüber nachdenken muss, welche Worte ich wählen soll. Das ist gerade dann besonders hilfreich, wenn mir das Beten schwer fällt, weil ich zu sehr abgelenkt bin durch die Anforderungen des Alltags. Mein Mund und meine Hand sind die ganze Zeit beschäftigt, so dass es nicht möglich ist, nebenher noch etwas anderes zu tun. Körper und Geist können sich ganz in die Gegenwart Gottes versenken. Das ist umso wertvoller, je mehr mein Leben von Ängsten und Sorgen bestimmt ist.

Es tut gut, den Rosenkranz in Gemeinschaft zu beten, bei gemeinsamen Rosenkranzandachten oder in einer Pilgergruppe. Aber es hat auch eine eigene Qualität, wenn man den Rosenkranz alleine betet. Ich mache das besonders gerne auf Spaziergängen im Wald, aber auch wenn ich nachts nicht einschlafen kann. Dann kann ich in meinen eigenen Rhythmus aus Atmung und sprechen der Gebete finden.

Zugleich kann ich mich anhand des Rosenkranzes meines Glaubens vergewissern, denn in den "Geheimnissen" des freudenreichen, des schmerzreichen, des lichtreichen, des glorreichen und des trostreichen Rosenkranzes betrachte ich das ganze Leben Jesu und alle zentralen Inhalte des christlichen Glaubens. Mit der Rosenkranzkette halte ich symbolisch den ganzen Glauben in einer Hand. Ich kann mich daran festhalten, wie an einem Anker oder einer Fallschirmleine.

Wochenimpuls 11. Oktober 2021 ~ Basta! ~

Wolken (c) Christel Micken

Wie Engelsflügel wirken die Wolken auf diesem Foto, das an einer Raststätte aufgenommen wurde. (Herzlichen Dank an Christel Micken, die mir erlaubt hat, das Foto zu zeigen.) Mich erinnert es an ein Zitat der heiligen Teresa von Ávila, deren Gedenktag die Kirche diese Woche Freitag, am 15. Oktober begeht:

 "Wer Gott sucht, braucht keine Flügel. Er soll nur still in sein Inneres schauen. Dort wird er ihn finden. Das Innere des Menschen ist wie ein Kristall, in dessen Mitte Gott wie eine alles durchdringende Sonne wohnt. Das Tun des Menschen wird nicht wirksam, wenn seine Taten nicht aus dieser Mitte stammen.“ 

Teresa lebte als Nonne im 16. Jahrhundert in Spanien. Zu ihrer Zeit war in vielen Klöstern strenge Selbstkasteiung üblich, unter anderem extremes Fasten, Schlafentzug und Selbstgeißelung. Teresa hielt von all dem nicht viel, schon allein deshalb, weil ihr schlechter Gesundheitszustand (sie litt wahrscheinlich unter Epilepsie) ihr keine so strenge Askese erlaubte.
Ihr Weg war dagegen die Freundschaft mit Jesus, den sie in ihrem Inneren suchte:  "Hier gibt es nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen. Denn meiner Meinung nach ist inneres Beten nichts anderes als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt."

17 Klöster des von ihr reformierten Karmeliterordens gründete Teresa, was bedeutete, dass sie viel reisen musste. Ihr Zeitgenosse, der päpstliche Nuntius Filippo Sega, bezeichnete sie deshalb als "herumvagabundierendes Weibsbild, das unter dem Vorwand von Frömmigkeit falsche Lehren erfindet". Auch Teresas Kritik an der Diskriminierung von Frauen kam nicht gut an. So hatte sie zum Beispiel geäußert: "Ich werfe unserer Zeit vor, dass sie starke und zu allem Guten begabte Geister zurückstößt, nur weil es sich um Frauen handelt." 
Von ihren Feinden wurde Teresa bei der spanischen Inquisition angezeigt, sodass sie sich einem jahrelangen Prozess unterziehen musste. Erst 25 Jahre nach Teresas Tod kam die Inquisition endgültig zu dem Ergebnis, dass ihre Bücher frei von Häresie sind.

Die innere Freiheit, trotz ihrer schweren Krankheit und trotz aller Anfeindungen unbeirrt ihren Weg zu gehen, gewann Teresa von Ávila durch die Praxis des inneren Gebets: Bei allem was sie tat, ob sie nun ein Grundstück für ein neues Kloster kaufte, oder an einem Festessen teilnahm, oder sich vor Gericht verteidigen musste, immer fühlte sie die Gegenwart Gottes in sich.

Das berühmteste Zitat von Teresa von Ávila lautet:

 Nichts soll dich ängstigen 
 Nichts dich erschrecken 
 Alles vergeht 
 Gott ändert sich nicht 
 Die Geduld 
 Erreicht alles 
 Wer Gott besitzt 
 Dem kann nichts fehlen 
 Gott allein genügt

Die letzte Zeile lautet im spanischen Original "Solo dios basta": Nur Gott! Basta! 
Was für ein Machtwort! 

Im Jahr 1970 wurde Teresa von Ávila durch Papst Paul VI. in den Rang eines Kirchenlehrers erhoben, als erste Frau überhaupt. Heute gibt es 36 Heilige mit diesem Rang, darunter 4 Frauen.

Wochenimpuls 4. Oktober 2021 ~ geliebt und beschenkt ~

Lommersdorf (c) Andrea Felden

Am heutigen 4.10. ist der Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi. Er ist vor allem für seine große Naturverbundenheit bekannt. Alle Geschöpfe, ob lebendig oder unbelebte Natur, betrachtete Franz als eine große Familie mit Gott als Familienvater. Daher redete er Tiere, Pflanzen, Himmelskörper, und sogar den Tod als "Bruder" und "Schwester" an. Mit ihnen allen fühlte Franz von Assisi sich liebevoll verbunden. 

Es passt gut zu Franz von Assisi, dass sein Gedenktag Anfang Oktober ist, also zu genau der Zeit, wenn in vielen Gottesdiensten das Erntedankfest gefeiert wird. (Das Foto habe ich in Lommersdorf aufgenommen.) Denn auch das Erntedankfest bringt zum Ausdruck, dass wir uns von Gott durch die Schöpfung beschenkt und geliebt fühlen. Vor allem danken wir für unsere Nahrung.

Ich finde es faszinierend, dass Gott uns nicht nur Früchte gegeben hat, sondern auch Genussfähigkeit. Wir können das leuchtende Orange des Kürbis wahrnehmen, die Süße der Äpfel schmecken, dutzende Aromen im Wein riechen, das Knuspergeräusch beim Biss in ein frisches Brötchen hören, und das wohlige Gefühl im Magen spüren, wenn er sich füllt. Offensichtlich wollte Gott, dass wir uns nicht einfach nur aus Vernunft ernähren. Er wollte, dass wir uns freuen.

Kaum jemand war zu so tiefer Freude fähig, wie der Heilige Franz. Dies ist sein Sonnengesang:
 Höchster, allmächtiger, guter Herr, dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen. Dir allein, Höchster, gebühren sie, und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen. Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, zumal dem Herrn Bruder Sonne, welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest. Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz: Von dir, Höchster, ein Sinnbild. Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne; am Himmel hast du sie gebildet, klar und kostbar und schön. Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteres und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst. Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch. Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch das du die Nacht erleuchtest; und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark. Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter. Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Krankheit ertragen und Drangsal. Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt. Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen. Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun. Lobt und preist meinen Herrn und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.

Wochenimpuls 27. September 2021 ~ Ameisen und Könige ~

Ameisenhügel (c) Andrea Felden

Die Bundestagswahl ist vorbei, die Würfel gefallen. Doch bis wir eine neue Regierung haben werden, vergehen noch Wochen oder Monate. Insgesamt vier Parteien beanspruchen für sich, die Interessen ihrer Wählerschaft in der nächsten Koalition zu vertreten. Daran zeigt sich, wie gespalten unser Land ist, wie unterschiedlich die Interessen und Meinungen. Wir sind eben ein Staat von Menschen und kein Ameisenstaat. Ameisen haben keine Regierung, und trotzdem sind sie straff organisiert. So klein sie auch sind, können sie doch großes schaffen, wie diesen Ameisenhügel im Wald bei Nonnenbach. Sie schaffen das durch ihre Einigkeit und ihren starken Zusammenhalt. Mit Harmonie kann man es weit bringen! Doch in ihrem Staat zählt die einzelne Ameise gar nichts. Jede einzelne von ihnen opfert sich, falls nötig, ohne zu zögern für die Gemeinschaft und kann jederzeit durch einen anderen ersetzt werden. Zum Glück ist Deutschland kein Ameisenstaat! Hier darf jeder Einzelne als Individuum für sich einstehen. Das erfordert aber Kommunikation und Kompromissbereitschaft von allen Parteien. 

Ich bete für die Politikerinnen und Poltiker an den Verhandlungstischen um Klugheit und Augenmaß. 

In der Bibel habe ich einige Zitate gefunden, die mir passend erscheinen:

"Durch Hochmut entsteht nur Streit, / wer sich beraten lässt, bei dem ist Weisheit." (Spr 13,10)
"Die Weisheit von oben ist erstens heilig, sodann friedfertig, freundlich, gehorsam, reich an Erbarmen und guten Früchten, sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht. Die Frucht der Gerechtigkeit wird in Frieden für die gesät, die Frieden schaffen."  (Jak 3,17)

Spricht ein König den Geringen zuverlässig Recht, / hat sein Thron für immer Bestand." (Spr 29, 14)
 " Weh dir, Land, / dessen König ein Knabe ist / und dessen Fürsten schon früh am Morgen Tafeln. Wohl dir, Land, / dessen König von edlem Geschlecht ist und dessen Fürsten zur richtigen Zeit tafeln, / beherrscht und nicht wie Zecher." (Koh 10,16f.)

 "Wer ständig nach dem Wind schaut, kommt nicht zum Säen, / wer ständig die Wolken beobachtet, kommt nicht zum Ernten. Am Morgen beginne zu säen, auch gegen Abend lass deine Hand noch nicht ruhen; denn du kannst nicht im Voraus erkennen, was Erfolg haben wird, das eine oder das andere, oder ob sogar beide zugleich zu guten Ergebnissen führen." (Koh 11,4.6)

 "Gott der Väter und Herr des Erbarmens, / du hast das All durch dein Wort gemacht. Den Menschen hast du durch deine Weisheit bereitet, / damit er über deine Geschöpfe herrscht. Er soll die Welt in Heiligkeit und Gerechtigkeit leiten / und Gericht halten in rechter Gesinnung." (Weisheit 9,1ff.)

Wochenimpuls vom 20. September 2021 ~ Der Anfang vom Ende? ~

Herbstbaum (c) Andrea Felden

Laut Kalender beginnt diese Woche Mittwoch der Herbst. Eine Jahreszeit mit zweifelhaftem Ruf. Frühling und Sommer haben einen deutlich größeren Freundeskreis. Auch meine ersten Gedanken zum Herbstanfang haben mit Ende und Verfall zu tun: "Schade, dann ist der Sommer vorbei." 
(Interessanterweise bedauert kaum jemand, dass mit dem Frühlingsanfang der Winter, oder mit dem Sommeranfang der Frühling vorbei ist.) 

Im Herbst wird es kälter, die Tage werden kürzer, die Zugvögel fliegen davon und die Blumen verwelken. 

Aber da gibt es ja auch noch die andere Seite des Herbstes: Die warmen, leuchtenden Farben im Laub und die Farben von Kürbissen und Äpfeln. Die fröhlichen Feste: Erntedank und Sankt Martin. Der Tag der deutschen Einheit. Manche feiern auch das Oktoberfest oder Halloween. Über den scharfen Wind kann man sich ärgern und den Kragen der Jacke hochklappen - oder man kann bunte Drachen fliegen lassen.

Ist für mich das Glas eher halb leer oder halb voll? Den Herbstanfang sehe ich als Einladung, darüber nachzudenken. Als Einladung zum zweiten Hinsehen, zum Entdecken der verborgenen Schönheit.

Auch die Vergänglichkeit des Lebens ist nicht unbedingt nur traurig. Wie jede Jahreszeit, wenn sie zuende geht, Platz macht für eine andere Jahreszeit, wie die Blüten bei ihrem Verwelken Platz machen für Früchte und Samen: So macht ein Mensch, der stirbt, Platz für die nachfolgenden Generationen. Ohne den Tod gäbe es keine Veränderung und damit auch keine Erneuerung. Keine neuen Ideen und neue Traditionen. Für uns, die wir jetzt leben und denken und fühlen, wäre kein Platz, wenn nicht unsere Vorfahren den Platz frei gemacht hätten. 

Und es gäbe ohne das Ende keinen Zeitpunkt für den Rückblick. Welche Geschichte ein Buch erzählt, das weiß ich erst wenn ich das Buch bis zum Ende gelesen habe. Und welche Geschichte das Leben eines Menschen erzählt, das lässt sich erst am Ende von dessen Lebensgeschichte im Rückblick sagen. Ohne Lebensende gibt es keine Lebensgeschichte. Ohne den Tod hätte keine der Entscheidungen, die wir im Laufe unseres Lebens treffen, wirklich endgültige Konsequenzen. Ohne den Tod könnte ich nacheinander alle Berufe der Welt erlernen und ausüben, mit allen möglichen Partnern nacheinander zusammenleben, jedes Land und jede Stadt auf der Welt bereisen, jede Sprache und jedes Musikinstrument und jede Sportart erlernen, jedes Kunstwerk und jeden Film sehen und jedes Buch lesen, und jedes Hobby einmal ausprobieren und auch jeder Religion mich nacheinander anschließen. Daher wäre im Grunde alles was ich tue gleichgültig: Gleich gültig. Erst durch die Endlichkeit bekommt jedes einzelne Leben eine Bedeutung. Jedoch glaube ich als Christin, dass wie auf Herbst und Winter ein neuer Frühling folgt, so auch auf meinen Tod ein neues Leben bei Gott folgt. Eines jedoch, das dann unvergänglich und trotzdem nicht egal sein sein wird. 

Der Heilige Franz von Assisi, dessen Gedenktag ebenfalls im Herbst liegt (am 4.10.), dichtete in seinem berühmten Sonnengesang: Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod; kein lebender Mensch kann ihm entrinnen. [... ] Selig, die er finden wird in deinem heiligsten Willen, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

17. September 2021 ~ Gedenktag der Heiligen Hildegard von Bingen ~

Hildegard (c) Bild: travis.nobles (CC BY-NC) In: Pfarrbriefservice.de

Aus dem Schott Messbuch:

Hildegard wurde 1098 in Bermersheim (nördlich Alzey) geboren. Sie war das zehnte Kind des Edelfreien Hildebert und seiner Gattin Mechtild. Das Mädchen war schwächlich, aber lebhaft und fröhlich, und das blieb sie ihr Leben lang. Schon als Kind sah sie mehr als andere Menschen. Zur Erziehung wurde sie zu Jutta von Spanheim auf den nahe gelegenen Disibodenberg gebracht. Als Jutta, die Meisterin der Klause, 1136 starb, wurde Hildegard ihre Nachfolgerin. 1150 zog sie mit ihren inzwischen zahlreicher gewordenen Nonnen in das von ihr erbaute Kloster Rupertsberg bei Bingen. Um 1165 besiedelte sie das damals leer stehende Kloster Eibingen oberhalb von Rüdesheim. ­ Schon auf dem Disibodenberg hatte sie auf Gottes Geheiß angefangen, ihre in wachem Zustand empfangenen Visionen und Einsichten niederzuschreiben. Sie, die sich „ungelehrt“ und „armselig“ nannte, war in Wahrheit eine hoch begabte, ja geniale Frau. Ihr Erstlingswerk nannte sie „Scivias“ - „Wisse die Wege (Gottes)“. Durch ihre Schriften, Briefe, Predigten und Prophezeiungen wurde sie bald eine bekannte Persönlichkeit. Sie stand in Briefwechsel mit Päpsten und Königen; aber auch arme und einfache Menschen suchten bei ihr Rat und Hilfe. Offenheit für die Fragen und Nöte der Welt und tiefe Gottverbundenheit waren für sie keine Gegensätze. Immer lebte sie im Licht Gottes; ihn fand sie in allen Dingen wieder: in den Steinen, Tieren, Menschen. Die Kraft ihrer Schau wurde geformt durch die Heilige Schrift, die Liturgie und die Kirchenväter. In allem aber blieb sie der demütig staunende Mensch. Hildegard starb am 17. September 1179. Papst Benedikt XVI. hat sie am 10. Mai 2012 heiliggesprochen und am 7. Oktober 2012 zur Kirchenlehrerin erhoben.

 „Gott ist ewig, und Ewigkeit ist Feuer, und das ist Gott.

Und Gott ist kein verborgenes, kein schweigendes Feuer, sondern ein wirkendes Feuer.“

„Der Heilige Geist ist Leben spendendes Leben,

Beweger des Alls und Wurzel alles geschaffenen Seins.

Er reinigt das All von Unlauterkeit, er tilgt die Schuld, und er salbt die Wunden.

So ist er leuchtendes Leben, würdig des Lobes, auferweckend und wieder erweckend das All."                          

(Hildegard von Bingen)

TAGESGEBET

Gott, du Quelle des Lebens,
du hast die heilige Hildegard
mit prophetischem Geist erfüllt.
Hilf uns, nach ihrem Vorbild
über deine Wege nachzusinnen
und deiner Führung zu folgen,
damit wir in der Dunkelheit dieser Welt
das Licht deiner Klarheit erkennen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Wochenimpuls vom 13. September 2021 - Zu hoch -

Kreuz (c) Andrea Felden

Das ist mir zu hoch" sagen wir manchmal, wenn etwas zu kompliziert oder schwer zu verstehen ist. Morgen begeht die Kirche das Fest "Kreuzerhöhung", und damit ist erstmal ganz wörtlich gemeint, dass ein Kreuz erhöht oder hoch aufgerichtet oder hochgehängt wird. Und zwar nicht irgendein Kreuz, sondern das echte Kreuz Jesu. Das Fest am 14. September entstand nämlich im Gedenken an die Errichtung der Grabeskirche in Jerusalem, wo der Legende nach die Heilige Helena das wahre Kreuz Jesu wiedergefunden haben soll, welches dann in der Grabeskirche als Reliquie verehrt wurde.

Im übertragenen Sinne ist mir die Sache mit dem Kreuz aber auch manchmal zu hoch. Gerade um die Kreuzreliquie in Jerusalem wurde erbittert gekämpft. Die Kreuzritter trugen in ihrem Krieg sogar die Reliquie bei sich. Auch schon  Kaiser Konstantin trug das Kreuzzeichen als Wappen in den Krieg. Ausgerechnet das Kreuz, an dem doch Jesus für uns gestorben ist, um uns den Frieden zu bringen, um uns miteinander und mit Gott zu versöhnen. Ausgerechnet dieses Zeichen im Zentrum von Kriegen? Das ist mir zu hoch.

Trotzdem, wenn ich in einem Zimmer oder einer Kirche hochblicke zum Kreuz, wenn ich das Kreuzzeichen mache oder das Kreuz meines Rosenkranzes in die Hand nehme, dann trete ich bewusst in die Gegenwart des Menschen und des Gottes, für den dieses Zeichen steht. Und ich stelle mich bewusst in die Gemeinschaft aller Menschen, die dem gleichen Gott folgen, gefolgt sind und folgen werden wie ich. Der ganze christliche Glaube, aber auch seine ganze wechselvolle Geschichte ist in diesem Zeichen zusammengefasst.

 Kirchenfenster ist in der Kapelle in Hüngersdorf fotografiert.

Wochenimpuls vom 5. Juli 2021 - Horizonterweiterung

Weg (c) Andrea Felden

Die Sommerferien sind da. Viele Familien sehnen sich jetzt nach einem Tapetenwechsel oder einer Horizonterweiterung. Da vor kurzem die allgemeine Reisewarnung aufgehoben wurde, sind in diesem Sommer sogar Urlaubsreisen ins Ausland wieder möglich. Wie ist das bei Ihnen? Fahren Sie dieses Jahr weg? Oder sind Sie noch vorsichtig? Haben Sie überhaupt die Möglichkeit zum Verreisen? 

Egal, wie auch immer Sie die Ferienzeit verbringen:  Seinen Horizont kann man überall erweitern. Eine Möglichkeit dazu ist zum Beispiel ein Sinnesspaziergang. Diese geistliche Übung können Sie beim Strandurlaub am Meer ebenso ausprobieren wie auf den Wanderwegen bei Hüngersdorf (wo ich das Foto aufgenommen habe 🙂). Sie macht auch vielen Kindern Spaß.

Praktische Anleitung Sinnesspaziergang

1) Ich gehe ins Freie, möglichst an einen ungestörten Ort. Dort bleibe ich stehen, setze mich nieder oder gehe langsam herum. Dabei versuche ich, ganz in das Wahrnehmen zu kommen. Dadurch tritt das Denken in den Hintergrund und ich bin ganz in der Gegenwart.

Nacheinander verwende ich dazu einen Sinn:
 Ich sehe - Wiesen, Schmetterlinge, Blätter, Himmel ...
 Ich höre - Vögel, rauschendes Wasser, Wind, Stimmen ...
 Ich rieche - Blumen, feuchte Erde, Heu, Baumharz ...
 Ich spüre - Sonne, Wind, Steine unter meinen Füßen ...
 Ich schmecke - Wasser, Salz auf meiner Haut ...

2) Ich lasse das Wahrgenommene nachklingen. 

3) Wenn ich noch mehr Zeit habe: 
 Ich nehme einen Gegenstand mit allen Sinnen wahr - einen Stein, ein Blatt, ein Schneckenhaus ...
 Ich achte eine Weile auf Kleinigkeiten, die sich den Sinnen zunächst nicht aufdrängen - einen kleinen Käfer, den Geruch von Sonnencreme, die Berührung der Kleidung auf der Haut ...

4) Entdecke ich im Staunen und Wahrnehmen Gott?

5) Ich beende die Übung mit einem einfachen Gebet oder Dank.

 Frei nach: "Heute" - Exerzitien im Alltag, Diözese Innsbruck 2020.

"Wenn ich zur Ruhe gelangen wollte, half es mir immer, Felder, Wasser oder Blumen zu betrachten, in ihnen fand ich eine Spur des Schöpfers."
 (Hl. Teresa von Avila)

"Ein einziger dankbarer Gedanke gen Himmel ist das vollkommenste Gebet."
 (Gotthold Ephraim Lessing)

Wochenimpuls vom Montag 14. Juni 2021

HerzJesu (c) Andrea Felden

Ähnlich wie der ganze  Mai als Marienmonat in besonderer Weise der Gottesmutter gewidmet ist, so ist der ganze Juni als Herz Jesu Monat in besonderer Weise der Herz Jesu Verehrung gewidmet. Eine gute Gelegenheit, um das Jesusgebet wieder zu entdecken. Dazu möchte ich Sie am heutigen Morgen ganz ❤️lich einladen. In der PDF Datei finden Sie eine einfache Anleitung dazu. Wenn es Ihnen möglich ist, Ihre Morgenroutine für 5 Minuten zu unterbrechen, probieren Sie es am besten jetzt direkt einmal aus. Es ist eine ganz einfache Meditation, die sich leicht in den normalen Alltag einbinden lässt.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche.

Ihre Pastoralassistentin Andrea Felden

 

Glaubensimpuls zu Christi Himmelfahrt

Himmelfahrt (c) Andrea Felden

Wenn ich an Christi Himmelfahrt denke, kommen mir zwei Bilder in den Kopf:

Das erste Bild ist das einer Familie in einem Güterwagen der Eisenbahn auf der Rückfahrt aus der Evakuierung des 2. Weltkrieges zurück in ihre Heimatstadt Saarbrücken. Meine Mutter erzählte immer davon, denn das waren ihre Erinnerungen an Christi Himmelfahrt: Das nach Hause kommen nach einer Zeit in der Fremde und der Ungewissheit.

Das zweite ist auf einem Kirchenfenster in der Kirche in Rohr abgebildet (hier von Andrea Felden fotografiert). Es zeigt die Auferstehung Jesu nach dem dreistöckigen Weltbild der Zeit, in der Jesus lebte. Ganz unten ist die Unterwelt, die Welt des Bösen. In der Mitte ruht auf Säulen die Erde, der Ort des Menschen und ganz oben befindet sich der Himmel, die Wohnung Gottes.

Nachdem Jesus 40 Tage lang, in der Zeit von Ostern bis Christi Himmelfahrt, seinen Jüngern erschienen ist, scheint er sich nun aus dem Staub zu machen, in die Wohnung seines Vaters, zu Gott in den Himmel.

In der Apostelgeschichte sprechen zwei Engel die Apostel an, die ungläubig Jesus bei der Himmelfahrt hinterherschauen. Der tschechische Theologe Tomas Halik formuliert die Aussage dieser Engel folgendermaßen: „Jungs, was steht ihr hier und glotzt tranfunzlig in den Himmel? Krempelt die Ärmel hoch und macht euch an die Arbeit.“ Wie diese Arbeit aussieht, wissen die Apostel, denn Jesus hat ihnen vom Reich Gottes erzählt und es ihnen vorgelebt. Das Reich Gottes ist geprägt von der Umkehr der Verhältnisse und bedeutet das Ende von Armut und Krankheit, von Unterdrückung, Krieg und allen weiteren Nöten. Und dafür sollen sich die Apostel weiter einsetzen.

Und das Fest Christi Himmelfahrt lädt auch uns dazu ein, die Sehnsucht nach dem Himmel, nach dem Reich Gottes nicht aufzugeben, gerade heute! Krisenzeiten können lähmen, damals in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, wie heute in der Zeit der Pandemie. Krisenzeiten können aber auch mobilisieren. Sie können zur Unterscheidung drängen, zur Unterscheidung zwischen dem, was keine Zukunft hat, weil es die Menschen nicht voranbringt, die Gesellschaft nicht und die Kirche nicht, und dem, was Zukunft eröffnet, weil es den Menschen und die Gemeinschaft der Menschen in Gerechtigkeit und Freiheit im Blick hat.

Das Fest Christi Himmelfahrt spornte die Familie meiner Mutter an, die Ärmel hochzukrempeln und den Neuanfang nach dem Krieg zu wagen. Uns allen wünsche ich heute am Tag Christi Himmelfahrt, dass wir auch den Mut finden gemeinsam die Ärmel hochzukrempeln, um mit Hand anzulegen an der Veränderung von Kirche und Gesellschaft im Sinne Jesu und seiner Botschaft.

Pastoralreferent Martin Westenburger

 

 

 

20. Juni 2021 Weltflüchtlingstag

Flucht (c) Andrea Felden


 Im Dezember 2000 wurde der 20. Juni von der UN-Vollversammlung zum internationalen Gedenktag für Flüchtlinge erklärt. Der Tag ist den Binnenvertriebenen, Asylsuchenden, Flüchtlingen und Staatenlosen auf der ganzen Welt gewidmet: also allen Menschen, die vor Krieg, Verfolgung, Terror oder Naturkatastrophen fliehen mussten. 

Immer mehr Menschen müssen wegen gewaltsamer Konflikte oder aufgrund von Verfolgung und Unterdrückung ihr eigenes Zuhause verlassen.

Mit dem Weltflüchtlingstag soll die schwierige Situation all dieser Menschen verdeutlicht und gleichzeitig deren überaus großer Mut, ihre Stärke, Entschlossenheit und ihr Durchhaltevermögen gewürdigt werden. 

Seit 2015 erinnert in Deutschland der 20. Juni auch an die deutschen Vertriebenen, die aufgrund des Zweiten Weltkrieges zur Flucht gezwungen waren.

Weltweit sind derzeit so viele Menschen auf der Flucht wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Jede Sekunde flieht ein Mensch. Und viele kommen nicht dort an, wo sie hinwollten. 

Fliehen oder auswandern ist an sich etwas, das Menschen schon immer getan haben. In der Bibel zum Beispiel sind Personen versammelt, die aus den auch heute aktuellen Fluchtgründen fortgehen: Abraham und Sara flüchten aufgrund einer Hungersnot nach Ägypten. Isaak verlässt sein Land ebenso wegen des Hungers und flieht nach Gera. Mose zieht aus Ägypten weg, um der Rache des Pharaos zu entgehen. David wird von seinem Schwiegervater in die Flucht geschlagen. 

Gleich auf den ersten Seiten steuert das Neue Testament eine weitere Person bei. Ein Handwerker und Familienvater namens Josef, der mit Frau und Kind vor behördlicher Willkür ins Ausland flieht, um das Überleben ihres Sohnes zu sichern. Ohne dieses entschlossene Handeln und das Asyl in Ägypten würde es das Christentum so nicht geben. Auch von den ersten Christen hören wir in der Apostelgeschichte, sie würden verfolgt. Und die Liste könnte man weiter fortsetzen.

Können Sie sich in die Situation der Geflüchteten hineinversetzen, kennen Sie Betroffene, haben Sie vielleicht gar ähnliches erlebt? Meistens müssen die Betroffenen ja das zurücklassen, was bisher ihre Welt, ihre Heimat bedeutet hat. Doch sie gehen, weil sie dort einfach nicht mehr leben können. Sie gehen fast immer lebensgefährliche Wege, da ihnen alle anderen verschlossen wurden, und erleben dabei weiter große Gefahren.

Die vielen tausend Toten pro Jahr, vor allem im Mittelmeer, fragen uns als Christen, als Menschen, an, warum wir uns nicht für eine Bekämpfung der Fluchtursachen einsetzen?

Oft mangelt es uns an Bereitschaft, Leben zu teilen: das heißt, sich einander wirklich zu öffnen, miteinander zu lernen und sich verändern lassen zu wollen. Denn Integration funktioniert nur im Austausch.

Im Matthäus Evangelium fordert uns Jesus auf, die Fremden aufzunehmen: "Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen." (Mt 25,35).

Auf dem Foto ist die Flucht von Josef, Maria und Jesus nach Ägypten zu sehen. Die Darstellung befindet sich in der Pfarrkirche in Baasem. Den heutigen Impuls hat Pastoralreferentin Helgard Hoeren geschrieben.

21. Juni 2021 Sommeranfang

An keinem anderen Tag des Jahres geht die Sonne so früh auf und so spät unter wie heute. Heller wird es 2021 nicht mehr. Wir haben jetzt fast die Jahresmitte erreicht. Im Kirchenjahr, das ja immer mit dem Advent beginnt, befinden wir uns sogar schon seit ein paar Wochen in der zweiten Jahreshälfte. 

Im Gotteslob unter der Nummer 465 findet sich passend zur Jahreszeit das Lied "Das Jahr steht auf der Höhe". Es kombiniert einen modernen Text mit einer barocken Melodie und bringt so die Widersprüchlichkeit der Jahreszeiten und des Lebens zum Ausdruck: Der längste Tag des Jahres markiert den Sommeranfang. Von jetzt an werden die Tage wieder kürzer. Der Sommer, in mancher Hinsicht der Höhepunkt des Jahres, ist so gesehen zugleich eine Zeit des Verfalls.

So ähnlich ist es auch mit der Lebensspanne: Die Lebensmitte,  wenn wir gerade die meisten Aufgaben auf einmal haben - Beruf, Kindererziehung, vielleicht ein Haus bauen - ist zugleich die Zeit, um Abschied zu nehmen von manchen Plänen, die sich nicht in die Tat umsetzen ließen. 

Ich persönlich bin jetzt 42 Jahre alt. Statistisch gesehen habe ich jetzt ungefähr mein halbes Leben schon hinter mir. Oder, je nach Blickwinkel, noch mein halbes Leben vor mir. Meine Schönheit schwindet schon seit ein paar Jahren. Meine Körperkraft und meine Gesundheit werden auch irgendwann zu schwinden beginnen. Doch das Lied rät mir, mich deshalb nicht zu grämen. Sondern bereit zu sein zum Loslassen. 

Denn das Beste liegt noch vor mir: Ich hoffe für meine zweite Lebenshälfte auf die Heilung alter Wunden und auf kräftiges spirituelles Wachstum. Dafür ist es nie zu spät. Und am Ende hoffe ich auf das Ziel meines Lebens, die Vereinigung mit Gott. Aus dieser Hoffnung heraus darf ich Gott gemeinsam mit allen Gläubigen bitten: "Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht. [...] Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht, dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht." 

 1. Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin. 
 2. Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht. Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht. Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein. 
 3. Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit. Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit, die Tage loszulassen und was vergänglich ist, das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist. 
 4. Du wächst und bleibst für immer, doch unsre Zeit nimmt ab. Dein Tun hat Morgenschimmer, das unsere sinkt ins Grab. Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht, dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht.

Johannistag

Jesutaufe (c) Andrea Felden

Hochfest des Johannes ‘des Täufers, ein besonderer Heiligerer ist der „Vorläufer Christi."

Als Sohn von Elisabeth und Zacharias wurde er am 24.Juni, genau ein halbes Jahr vor Jesus geboren. Als Erwachsener suchte er die Einsamkeit in der Wüste. Johannes taufte am Jordan und verkündigte das Kommen des Messias. Später ließ Jesus sich von ihm taufen.

Johannes der Täufer steht in enger Verbindung mit der Sommersonnenwende. Sie markiert den längsten Tag und die kürzeste Nacht. Winter- und Sommersonnenwende wurden in der alten Kirche immer heilsgeschichtlich gedeutet.

Der Kirchenvater Augustinus bezog das Johannes-Wort über Jesus "Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden" direkt auf die Sonne.

Schließlich werden die Tage nach der Sommersonnenwende   kürzer und erst mit der Wintersonnenwende zur Weihnachtszeit wieder länger.

"Er war nicht selbst das Licht"

Im Johannesevangelium wird diese Lichtsymbolik ebenfalls mit Johannes dem Täufer in Verbindung gebracht: "Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war, sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt." (Joh 1,6-9)

Die Abbildung Johannes des Täufers ist ein Kirchenfenster in Lommersdorf.

Hochfest Peter und Paul

Petrus (c) Andrea Felden

Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein. (Mt 16,19)

Mit dem goldenen Himmelsschlüssel in der Hand ist Petrus in der Pfarrkirche in Dahlem zu sehen. Eine gewaltige Zusage hat Jesus ihm gemacht, obwohl Petrus alles andere als perfekt war. Dreimal hat er Jesus verleugnet in der Nacht vor der Kreuzigung. Das zu wissen, ist tröstlich für mich. Jesus beruft keine Helden, sondern ganz normale schwache Menschen in seine Nachfolge.

Paulus (c) Andrea Felden

Paulus wird mit Schwert und Buch dargestellt. Das Schwert soll die Art seiner Hinrichtung andeuten, aber das Schwert passt auch gut zum aufbrausenden Charakter des Paulus. In jungen Jahren war er so etwas ähnliches wie heute ein Taliban. Ein religiöser Fanatiker. Er war sehr gebildet, mehrsprachig, theologisch und rhetorisch geschult, und besaß das römische Bürgerrecht.

Der einfache jüdische Fischer Petrus und der hochbegabte Paulus. Petrus, einer der ersten Jünger Jesu, und Paulus, der erst Jahre nach dem Osterereignis zum Glauben an Jesus fand. In der Apostelgeschichte wird von Konkurrenz und Streit zwischen den beiden wichtigsten Aposteln berichtet. Wie kommen diese scheinbar so gegensätzlichen Heiligen an einen gemeinsamen Gedenktag?

Beide, sowohl Petrus als auch Paulus, wurden von Jesus zurecht gewiesen und beide weinten über ihre Sünden. Vielleicht haben die beiden nur drei Gemeinsamkeiten: Ihre menschliche Schwäche, ihren Glauben an Jesus Christus, und ihre Bereitschaft zur Umkehr. Dass sie gemeinsam verehrt werden ist eigentlich ein schönes Zeichen dafür, dass in der Kirche Platz ist für ganz unterschiedliche Charaktere und es eine wichtige Aufgabe für jeden gibt.

2. Juli 2021 - Fest Mariä Heimsuchung

Meine Seele preist die Größe des Herrn (Magnificat)

https://m.youtube.com/watch?v=PghbQFPxigo

Mit dem heutigen Kirchenfest werden wir an den Besuch Marias bei Elisabeth (der Mutter von Johannes dem Täufer) erinnert. Beide Frauen sind zu diesem Zeitpunkt überraschend schwanger: Elisabeth war schon alt, ungewollt kinderlos, und hatte die Hoffnung auf ein Kind schon aufgegeben. Maria dagegen war noch sehr jung und hatte noch keine Schwangerschaft geplant. Zwei ganz unterschiedliche Frauen, und trotzdem verbindet sie eine tiefe Freundschaft. 

Die größte Gemeinsamkeit der beiden ist ihr Gottvertrauen. "Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ." (Lk 1,45), sagte Elisabeth über Maria. Alle Schwangeren sind "guter Hoffnung": Hoffnung auf eine gute Geburt und ein gesundes Kind. Maria und Elisabeth hoffen außerdem: Auf Freiheit für ihr Volk, das von den Römern unterdrückt wird. Auf den Messias, der im Alten Testament verheißen wird und der den Frieden bringen soll. Auf eine Erneuerung des Glaubens. Auf Gott. Diese Hoffnung bringen sie mit ihren Lobliedern zum Ausdruck. Aus dem Evangelium vom heutigen Tag stammt das Magnificat, eines der wichtigsten Gebete der Kirche. Priester und Ordensleute sprechen oder singen es jeden Abend. Eine sehr schöne Vertonung (von der Schönstatt-Jugend) habe ich verlinkt. 

Wenn jemand über einen Plan oder eine Idee längere Zeit nachdenkt, sagen wir: Sie oder er "geht schwanger" mit dieser Idee. Wenn auch Sie heute noch "schwanger gehen" mit dem Traum von Freiheit und Frieden und einer Erneuerung der Kirche, wünsche ich Ihnen, dass Sie "guter Hoffnung" bleiben, sich nicht entmutigen lassen, auf Gott vertrauen (was auch ein gesundes Selbstvertrauen einschließt!), und dass Sie nicht verlernen, sich zu freuen!