Glaubensimpulse auf WhatsApp

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Pastoralassistentin Andrea Felden

technology (c) www.pixabay.com

Wochenimpuls vom 13. September 2021 - Zu hoch -

Kreuz (c) Andrea Felden

Das ist mir zu hoch" sagen wir manchmal, wenn etwas zu kompliziert oder schwer zu verstehen ist. Morgen begeht die Kirche das Fest "Kreuzerhöhung", und damit ist erstmal ganz wörtlich gemeint, dass ein Kreuz erhöht oder hoch aufgerichtet oder hochgehängt wird. Und zwar nicht irgendein Kreuz, sondern das echte Kreuz Jesu. Das Fest am 14. September entstand nämlich im Gedenken an die Errichtung der Grabeskirche in Jerusalem, wo der Legende nach die Heilige Helena das wahre Kreuz Jesu wiedergefunden haben soll, welches dann in der Grabeskirche als Reliquie verehrt wurde.

Im übertragenen Sinne ist mir die Sache mit dem Kreuz aber auch manchmal zu hoch. Gerade um die Kreuzreliquie in Jerusalem wurde erbittert gekämpft. Die Kreuzritter trugen in ihrem Krieg sogar die Reliquie bei sich. Auch schon  Kaiser Konstantin trug das Kreuzzeichen als Wappen in den Krieg. Ausgerechnet das Kreuz, an dem doch Jesus für uns gestorben ist, um uns den Frieden zu bringen, um uns miteinander und mit Gott zu versöhnen. Ausgerechnet dieses Zeichen im Zentrum von Kriegen? Das ist mir zu hoch.

Trotzdem, wenn ich in einem Zimmer oder einer Kirche hochblicke zum Kreuz, wenn ich das Kreuzzeichen mache oder das Kreuz meines Rosenkranzes in die Hand nehme, dann trete ich bewusst in die Gegenwart des Menschen und des Gottes, für den dieses Zeichen steht. Und ich stelle mich bewusst in die Gemeinschaft aller Menschen, die dem gleichen Gott folgen, gefolgt sind und folgen werden wie ich. Der ganze christliche Glaube, aber auch seine ganze wechselvolle Geschichte ist in diesem Zeichen zusammengefasst.

 Kirchenfenster ist in der Kapelle in Hüngersdorf fotografiert.

Wochenimpuls vom 5. Juli 2021 - Horizonterweiterung

Weg (c) Andrea Felden

Die Sommerferien sind da. Viele Familien sehnen sich jetzt nach einem Tapetenwechsel oder einer Horizonterweiterung. Da vor kurzem die allgemeine Reisewarnung aufgehoben wurde, sind in diesem Sommer sogar Urlaubsreisen ins Ausland wieder möglich. Wie ist das bei Ihnen? Fahren Sie dieses Jahr weg? Oder sind Sie noch vorsichtig? Haben Sie überhaupt die Möglichkeit zum Verreisen? 

Egal, wie auch immer Sie die Ferienzeit verbringen:  Seinen Horizont kann man überall erweitern. Eine Möglichkeit dazu ist zum Beispiel ein Sinnesspaziergang. Diese geistliche Übung können Sie beim Strandurlaub am Meer ebenso ausprobieren wie auf den Wanderwegen bei Hüngersdorf (wo ich das Foto aufgenommen habe 🙂). Sie macht auch vielen Kindern Spaß.

Praktische Anleitung Sinnesspaziergang

1) Ich gehe ins Freie, möglichst an einen ungestörten Ort. Dort bleibe ich stehen, setze mich nieder oder gehe langsam herum. Dabei versuche ich, ganz in das Wahrnehmen zu kommen. Dadurch tritt das Denken in den Hintergrund und ich bin ganz in der Gegenwart.

Nacheinander verwende ich dazu einen Sinn:
 Ich sehe - Wiesen, Schmetterlinge, Blätter, Himmel ...
 Ich höre - Vögel, rauschendes Wasser, Wind, Stimmen ...
 Ich rieche - Blumen, feuchte Erde, Heu, Baumharz ...
 Ich spüre - Sonne, Wind, Steine unter meinen Füßen ...
 Ich schmecke - Wasser, Salz auf meiner Haut ...

2) Ich lasse das Wahrgenommene nachklingen. 

3) Wenn ich noch mehr Zeit habe: 
 Ich nehme einen Gegenstand mit allen Sinnen wahr - einen Stein, ein Blatt, ein Schneckenhaus ...
 Ich achte eine Weile auf Kleinigkeiten, die sich den Sinnen zunächst nicht aufdrängen - einen kleinen Käfer, den Geruch von Sonnencreme, die Berührung der Kleidung auf der Haut ...

4) Entdecke ich im Staunen und Wahrnehmen Gott?

5) Ich beende die Übung mit einem einfachen Gebet oder Dank.

 Frei nach: "Heute" - Exerzitien im Alltag, Diözese Innsbruck 2020.

"Wenn ich zur Ruhe gelangen wollte, half es mir immer, Felder, Wasser oder Blumen zu betrachten, in ihnen fand ich eine Spur des Schöpfers."
 (Hl. Teresa von Avila)

"Ein einziger dankbarer Gedanke gen Himmel ist das vollkommenste Gebet."
 (Gotthold Ephraim Lessing)

Wochenimpuls vom Montag 14. Juni 2021

HerzJesu (c) Andrea Felden

Ähnlich wie der ganze  Mai als Marienmonat in besonderer Weise der Gottesmutter gewidmet ist, so ist der ganze Juni als Herz Jesu Monat in besonderer Weise der Herz Jesu Verehrung gewidmet. Eine gute Gelegenheit, um das Jesusgebet wieder zu entdecken. Dazu möchte ich Sie am heutigen Morgen ganz ❤️lich einladen. In der PDF Datei finden Sie eine einfache Anleitung dazu. Wenn es Ihnen möglich ist, Ihre Morgenroutine für 5 Minuten zu unterbrechen, probieren Sie es am besten jetzt direkt einmal aus. Es ist eine ganz einfache Meditation, die sich leicht in den normalen Alltag einbinden lässt.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche.

Ihre Pastoralassistentin Andrea Felden

 

Glaubensimpuls zu Christi Himmelfahrt

Himmelfahrt (c) Andrea Felden

Wenn ich an Christi Himmelfahrt denke, kommen mir zwei Bilder in den Kopf:

Das erste Bild ist das einer Familie in einem Güterwagen der Eisenbahn auf der Rückfahrt aus der Evakuierung des 2. Weltkrieges zurück in ihre Heimatstadt Saarbrücken. Meine Mutter erzählte immer davon, denn das waren ihre Erinnerungen an Christi Himmelfahrt: Das nach Hause kommen nach einer Zeit in der Fremde und der Ungewissheit.

Das zweite ist auf einem Kirchenfenster in der Kirche in Rohr abgebildet (hier von Andrea Felden fotografiert). Es zeigt die Auferstehung Jesu nach dem dreistöckigen Weltbild der Zeit, in der Jesus lebte. Ganz unten ist die Unterwelt, die Welt des Bösen. In der Mitte ruht auf Säulen die Erde, der Ort des Menschen und ganz oben befindet sich der Himmel, die Wohnung Gottes.

Nachdem Jesus 40 Tage lang, in der Zeit von Ostern bis Christi Himmelfahrt, seinen Jüngern erschienen ist, scheint er sich nun aus dem Staub zu machen, in die Wohnung seines Vaters, zu Gott in den Himmel.

In der Apostelgeschichte sprechen zwei Engel die Apostel an, die ungläubig Jesus bei der Himmelfahrt hinterherschauen. Der tschechische Theologe Tomas Halik formuliert die Aussage dieser Engel folgendermaßen: „Jungs, was steht ihr hier und glotzt tranfunzlig in den Himmel? Krempelt die Ärmel hoch und macht euch an die Arbeit.“ Wie diese Arbeit aussieht, wissen die Apostel, denn Jesus hat ihnen vom Reich Gottes erzählt und es ihnen vorgelebt. Das Reich Gottes ist geprägt von der Umkehr der Verhältnisse und bedeutet das Ende von Armut und Krankheit, von Unterdrückung, Krieg und allen weiteren Nöten. Und dafür sollen sich die Apostel weiter einsetzen.

Und das Fest Christi Himmelfahrt lädt auch uns dazu ein, die Sehnsucht nach dem Himmel, nach dem Reich Gottes nicht aufzugeben, gerade heute! Krisenzeiten können lähmen, damals in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, wie heute in der Zeit der Pandemie. Krisenzeiten können aber auch mobilisieren. Sie können zur Unterscheidung drängen, zur Unterscheidung zwischen dem, was keine Zukunft hat, weil es die Menschen nicht voranbringt, die Gesellschaft nicht und die Kirche nicht, und dem, was Zukunft eröffnet, weil es den Menschen und die Gemeinschaft der Menschen in Gerechtigkeit und Freiheit im Blick hat.

Das Fest Christi Himmelfahrt spornte die Familie meiner Mutter an, die Ärmel hochzukrempeln und den Neuanfang nach dem Krieg zu wagen. Uns allen wünsche ich heute am Tag Christi Himmelfahrt, dass wir auch den Mut finden gemeinsam die Ärmel hochzukrempeln, um mit Hand anzulegen an der Veränderung von Kirche und Gesellschaft im Sinne Jesu und seiner Botschaft.

Pastoralreferent Martin Westenburger

 

 

 

20. Juni 2021 Weltflüchtlingstag

Flucht (c) Andrea Felden


 Im Dezember 2000 wurde der 20. Juni von der UN-Vollversammlung zum internationalen Gedenktag für Flüchtlinge erklärt. Der Tag ist den Binnenvertriebenen, Asylsuchenden, Flüchtlingen und Staatenlosen auf der ganzen Welt gewidmet: also allen Menschen, die vor Krieg, Verfolgung, Terror oder Naturkatastrophen fliehen mussten. 

Immer mehr Menschen müssen wegen gewaltsamer Konflikte oder aufgrund von Verfolgung und Unterdrückung ihr eigenes Zuhause verlassen.

Mit dem Weltflüchtlingstag soll die schwierige Situation all dieser Menschen verdeutlicht und gleichzeitig deren überaus großer Mut, ihre Stärke, Entschlossenheit und ihr Durchhaltevermögen gewürdigt werden. 

Seit 2015 erinnert in Deutschland der 20. Juni auch an die deutschen Vertriebenen, die aufgrund des Zweiten Weltkrieges zur Flucht gezwungen waren.

Weltweit sind derzeit so viele Menschen auf der Flucht wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Jede Sekunde flieht ein Mensch. Und viele kommen nicht dort an, wo sie hinwollten. 

Fliehen oder auswandern ist an sich etwas, das Menschen schon immer getan haben. In der Bibel zum Beispiel sind Personen versammelt, die aus den auch heute aktuellen Fluchtgründen fortgehen: Abraham und Sara flüchten aufgrund einer Hungersnot nach Ägypten. Isaak verlässt sein Land ebenso wegen des Hungers und flieht nach Gera. Mose zieht aus Ägypten weg, um der Rache des Pharaos zu entgehen. David wird von seinem Schwiegervater in die Flucht geschlagen. 

Gleich auf den ersten Seiten steuert das Neue Testament eine weitere Person bei. Ein Handwerker und Familienvater namens Josef, der mit Frau und Kind vor behördlicher Willkür ins Ausland flieht, um das Überleben ihres Sohnes zu sichern. Ohne dieses entschlossene Handeln und das Asyl in Ägypten würde es das Christentum so nicht geben. Auch von den ersten Christen hören wir in der Apostelgeschichte, sie würden verfolgt. Und die Liste könnte man weiter fortsetzen.

Können Sie sich in die Situation der Geflüchteten hineinversetzen, kennen Sie Betroffene, haben Sie vielleicht gar ähnliches erlebt? Meistens müssen die Betroffenen ja das zurücklassen, was bisher ihre Welt, ihre Heimat bedeutet hat. Doch sie gehen, weil sie dort einfach nicht mehr leben können. Sie gehen fast immer lebensgefährliche Wege, da ihnen alle anderen verschlossen wurden, und erleben dabei weiter große Gefahren.

Die vielen tausend Toten pro Jahr, vor allem im Mittelmeer, fragen uns als Christen, als Menschen, an, warum wir uns nicht für eine Bekämpfung der Fluchtursachen einsetzen?

Oft mangelt es uns an Bereitschaft, Leben zu teilen: das heißt, sich einander wirklich zu öffnen, miteinander zu lernen und sich verändern lassen zu wollen. Denn Integration funktioniert nur im Austausch.

Im Matthäus Evangelium fordert uns Jesus auf, die Fremden aufzunehmen: "Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen." (Mt 25,35).

Auf dem Foto ist die Flucht von Josef, Maria und Jesus nach Ägypten zu sehen. Die Darstellung befindet sich in der Pfarrkirche in Baasem. Den heutigen Impuls hat Pastoralreferentin Helgard Hoeren geschrieben.

21. Juni 2021 Sommeranfang

An keinem anderen Tag des Jahres geht die Sonne so früh auf und so spät unter wie heute. Heller wird es 2021 nicht mehr. Wir haben jetzt fast die Jahresmitte erreicht. Im Kirchenjahr, das ja immer mit dem Advent beginnt, befinden wir uns sogar schon seit ein paar Wochen in der zweiten Jahreshälfte. 

Im Gotteslob unter der Nummer 465 findet sich passend zur Jahreszeit das Lied "Das Jahr steht auf der Höhe". Es kombiniert einen modernen Text mit einer barocken Melodie und bringt so die Widersprüchlichkeit der Jahreszeiten und des Lebens zum Ausdruck: Der längste Tag des Jahres markiert den Sommeranfang. Von jetzt an werden die Tage wieder kürzer. Der Sommer, in mancher Hinsicht der Höhepunkt des Jahres, ist so gesehen zugleich eine Zeit des Verfalls.

So ähnlich ist es auch mit der Lebensspanne: Die Lebensmitte,  wenn wir gerade die meisten Aufgaben auf einmal haben - Beruf, Kindererziehung, vielleicht ein Haus bauen - ist zugleich die Zeit, um Abschied zu nehmen von manchen Plänen, die sich nicht in die Tat umsetzen ließen. 

Ich persönlich bin jetzt 42 Jahre alt. Statistisch gesehen habe ich jetzt ungefähr mein halbes Leben schon hinter mir. Oder, je nach Blickwinkel, noch mein halbes Leben vor mir. Meine Schönheit schwindet schon seit ein paar Jahren. Meine Körperkraft und meine Gesundheit werden auch irgendwann zu schwinden beginnen. Doch das Lied rät mir, mich deshalb nicht zu grämen. Sondern bereit zu sein zum Loslassen. 

Denn das Beste liegt noch vor mir: Ich hoffe für meine zweite Lebenshälfte auf die Heilung alter Wunden und auf kräftiges spirituelles Wachstum. Dafür ist es nie zu spät. Und am Ende hoffe ich auf das Ziel meines Lebens, die Vereinigung mit Gott. Aus dieser Hoffnung heraus darf ich Gott gemeinsam mit allen Gläubigen bitten: "Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht. [...] Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht, dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht." 

 1. Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin. 
 2. Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht. Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht. Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein. 
 3. Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit. Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit, die Tage loszulassen und was vergänglich ist, das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist. 
 4. Du wächst und bleibst für immer, doch unsre Zeit nimmt ab. Dein Tun hat Morgenschimmer, das unsere sinkt ins Grab. Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht, dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht.

Johannistag

Jesutaufe (c) Andrea Felden

Hochfest des Johannes ‘des Täufers, ein besonderer Heiligerer ist der „Vorläufer Christi."

Als Sohn von Elisabeth und Zacharias wurde er am 24.Juni, genau ein halbes Jahr vor Jesus geboren. Als Erwachsener suchte er die Einsamkeit in der Wüste. Johannes taufte am Jordan und verkündigte das Kommen des Messias. Später ließ Jesus sich von ihm taufen.

Johannes der Täufer steht in enger Verbindung mit der Sommersonnenwende. Sie markiert den längsten Tag und die kürzeste Nacht. Winter- und Sommersonnenwende wurden in der alten Kirche immer heilsgeschichtlich gedeutet.

Der Kirchenvater Augustinus bezog das Johannes-Wort über Jesus "Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden" direkt auf die Sonne.

Schließlich werden die Tage nach der Sommersonnenwende   kürzer und erst mit der Wintersonnenwende zur Weihnachtszeit wieder länger.

"Er war nicht selbst das Licht"

Im Johannesevangelium wird diese Lichtsymbolik ebenfalls mit Johannes dem Täufer in Verbindung gebracht: "Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war, sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt." (Joh 1,6-9)

Die Abbildung Johannes des Täufers ist ein Kirchenfenster in Lommersdorf.

Hochfest Peter und Paul

Petrus (c) Andrea Felden

Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein. (Mt 16,19)

Mit dem goldenen Himmelsschlüssel in der Hand ist Petrus in der Pfarrkirche in Dahlem zu sehen. Eine gewaltige Zusage hat Jesus ihm gemacht, obwohl Petrus alles andere als perfekt war. Dreimal hat er Jesus verleugnet in der Nacht vor der Kreuzigung. Das zu wissen, ist tröstlich für mich. Jesus beruft keine Helden, sondern ganz normale schwache Menschen in seine Nachfolge.

Paulus (c) Andrea Felden

Paulus wird mit Schwert und Buch dargestellt. Das Schwert soll die Art seiner Hinrichtung andeuten, aber das Schwert passt auch gut zum aufbrausenden Charakter des Paulus. In jungen Jahren war er so etwas ähnliches wie heute ein Taliban. Ein religiöser Fanatiker. Er war sehr gebildet, mehrsprachig, theologisch und rhetorisch geschult, und besaß das römische Bürgerrecht.

Der einfache jüdische Fischer Petrus und der hochbegabte Paulus. Petrus, einer der ersten Jünger Jesu, und Paulus, der erst Jahre nach dem Osterereignis zum Glauben an Jesus fand. In der Apostelgeschichte wird von Konkurrenz und Streit zwischen den beiden wichtigsten Aposteln berichtet. Wie kommen diese scheinbar so gegensätzlichen Heiligen an einen gemeinsamen Gedenktag?

Beide, sowohl Petrus als auch Paulus, wurden von Jesus zurecht gewiesen und beide weinten über ihre Sünden. Vielleicht haben die beiden nur drei Gemeinsamkeiten: Ihre menschliche Schwäche, ihren Glauben an Jesus Christus, und ihre Bereitschaft zur Umkehr. Dass sie gemeinsam verehrt werden ist eigentlich ein schönes Zeichen dafür, dass in der Kirche Platz ist für ganz unterschiedliche Charaktere und es eine wichtige Aufgabe für jeden gibt.

2. Juli 2021 - Fest Mariä Heimsuchung

Meine Seele preist die Größe des Herrn (Magnificat)

https://m.youtube.com/watch?v=PghbQFPxigo

Mit dem heutigen Kirchenfest werden wir an den Besuch Marias bei Elisabeth (der Mutter von Johannes dem Täufer) erinnert. Beide Frauen sind zu diesem Zeitpunkt überraschend schwanger: Elisabeth war schon alt, ungewollt kinderlos, und hatte die Hoffnung auf ein Kind schon aufgegeben. Maria dagegen war noch sehr jung und hatte noch keine Schwangerschaft geplant. Zwei ganz unterschiedliche Frauen, und trotzdem verbindet sie eine tiefe Freundschaft. 

Die größte Gemeinsamkeit der beiden ist ihr Gottvertrauen. "Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ." (Lk 1,45), sagte Elisabeth über Maria. Alle Schwangeren sind "guter Hoffnung": Hoffnung auf eine gute Geburt und ein gesundes Kind. Maria und Elisabeth hoffen außerdem: Auf Freiheit für ihr Volk, das von den Römern unterdrückt wird. Auf den Messias, der im Alten Testament verheißen wird und der den Frieden bringen soll. Auf eine Erneuerung des Glaubens. Auf Gott. Diese Hoffnung bringen sie mit ihren Lobliedern zum Ausdruck. Aus dem Evangelium vom heutigen Tag stammt das Magnificat, eines der wichtigsten Gebete der Kirche. Priester und Ordensleute sprechen oder singen es jeden Abend. Eine sehr schöne Vertonung (von der Schönstatt-Jugend) habe ich verlinkt. 

Wenn jemand über einen Plan oder eine Idee längere Zeit nachdenkt, sagen wir: Sie oder er "geht schwanger" mit dieser Idee. Wenn auch Sie heute noch "schwanger gehen" mit dem Traum von Freiheit und Frieden und einer Erneuerung der Kirche, wünsche ich Ihnen, dass Sie "guter Hoffnung" bleiben, sich nicht entmutigen lassen, auf Gott vertrauen (was auch ein gesundes Selbstvertrauen einschließt!), und dass Sie nicht verlernen, sich zu freuen!