Gemeinschaft macht stark

Der Pfarrverbund Blankenheim lädt junge Christen in der Firmvorbereitung zur „Zukunftswerkstatt“ ein

Firmvorbereitung Nachricht (c) Dorothée Schenk
Di 6. Mär 2018
Dorothée Schenk
Umrundet man den Pfarrverbund Blankenheim, sind rund 32 Kilometer Wegstrecke zurückzulegen. Die jugendlichen Gemeindemitglieder kennen sich weitgehend nicht, nur jene, die gemeinsam die Schule an einem der drei Standorte besuchen.
Firmvorbereitung (c) Dorothée Schenk

Aber Gemeinschaft mit Gleichaltrigen als angehende mündige Christen erleben sie oft nicht. Wie es in einer Flächengemeinde gelingen kann, aus vielen einzelnen eine Einheit zu formen, zeigen die Katecheten vom heiligen Apostel Matthias.

„Ach, du bist auch im Mai geboren?“ „Ich hab’ die kleinsten Füße…“ Hamburger finden viele toll, Salat bestellen würde nur eine beim Besuch einer Fastfood-Kette. Das „Rote-Teppich-Spiel“ nennt Andrea Schlemmer diese Form des Kennenlernens, bei dem sich je nach Fragestellung die Firmlinge und ihre Katecheten platzieren sollen. Das macht Spaß, bringt im wahrsten Sinne die Menschen zusammen und lässt sie auch einiges übereinander erfahren. Gemeinsames Kochen gehört übrigens ebenfalls zum Programm. All dies fördert die Kommunikation, baut Hemmschwellen ab und schafft ein Mindestmaß an Vertrautheit unter den 26 Jugendlichen, die sich zum Teil erst seit 24 Stunden kennen und im September dieses Jahres das Sakrament erhalten sollen, das sie zu mündigen Christen macht: die Firmung. Das Wochenende im Don-Bosco-Haus in Steckenborn ist der Auftakt für die gemeinsame Vorbereitungszeit.

 

Jugendliche Meinung ernst nehmen

Die Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss in der Heranführung der Firmlinge, kam nach der letzten Sakramentenspende vor zwei Jahren. Erst einmal galt es, überhaupt in Kontakt zu kommen, erzählt Pastoralreferent Martin Westenburger: „Jugendliche lesen keine E-Mails“, sagt er schulterzuckend. Die Lösung lag im wahrsten Sinne auf der Hand: Eine Whatsapp-Gruppe musste her. Das aber wieder bringt datenschutzrechtliche Hürden mit sich, die es zu überwinden gilt. Sie wurde genommen, und damit der erste Schritt getan, „Jugendliche dort abzuholen, wo sie stehen“, wie es immer heißt.

Nächster Punkt ist, die Heranwachsenden mit ihrer Sicht auf Kirche ernst- und wahrzunehmen. „Zukunftswerkstatt“ heißt das Konzept, das die sieben Katecheten mit dem Pastoralreferentenehepaar Helgard Hoeren und Martin Westenburger entwickelt haben. Am Anfang stand die Frage an die Jugendlichen: „Wie seht ihr eure Gemeinde, was ,stinkt‘ euch – was fehlt euch, was ist nicht gut?“ Unerwartete Antworten erhielten die Organisatoren: Die Messdiener kritisierten etwa, dass sie gar nicht zu den Beerdigungen „dienen“ können, weil die Unterrichtszeiten es nicht erlauben, dass die Gewänder oft nicht passen und sie sich – die größte Überraschung – mehr Kompetenz in den eigenen Reihen wünschen.

 

Verantwortung in Kirche übernehmen

Katechetin Theresa Mahlberg hatte ihr eigenes „Aha-Erlebnis“: „Weihrauch, das will ich nicht, Latein stört mich, haben sie gesagt. Das sind Dinge, die sind so grundsätzlich, da würde ich nie drauf kommen. Ich finde es aber auch mutig, das auszusprechen.“ Der Mut zum Unmut allein aber ist es nicht, der gefördert werden soll. Es sollen auch Taten folgen. Die Punkte, in denen sich die Jugendlichen Veränderungen wünschen, werden zu Projekten. Mit Unterstützung der Katecheten werden sie mit in die Verantwortung für ihre Kirche genommen werden. Beispielsweise können sie sich an Kirchenvorstand oder Pfarreirat wenden, wenn sie einen Jugendraum einrichten möchten oder andere Messdienergewänder benötigen. Das ist ein „Arbeitsauftrag“ für die Firmlinge nach diesem Wochenende. Das Projekt muss bis zum 30. Juni beendet sein. Zur Vorbereitung gehören außerdem drei Themen-Tage zu Gott-Vater, Jesus und zum Heiligen Geist. Persönliches Engagement gefordert ist in der Vorbereitung eines Gottesdienstes. Einige Firmanden haben ihr „Soll“ bereits beim lebendigen Adventskalender in Blankenheim eingebracht, eine Jugendliche ist beim Jugendkreuzweg in Urft aktiv dabei.

In der Zeit bis 8. Juli sollen sich die Firmlinge klar darüber werden, ob sie wirklich „Ja“ zur Kirche sagen möchten. Das entscheiden sie beim sogenannten „Bereitschaftsgottesdienst“, in dem sie das Bekenntnis zum Sakrament ablegen. Damit schließt sich der Kreis. Das Ziel der neuen Firmvorbereitung formuliert Andrea Schlemmer: „Es gibt viele Jugendliche, die sich gegen eine Firmung entscheiden. Darum ist es wichtig, dass junge Christen Kirche als Gemeinschaft erleben. Gerade durch diese Gemeinschaft fühle ich mich gestärkt, in dem Wissen, dass noch andere da sind. Das gibt Rückhalt. Dann kann der Firmling besser zu seiner Entscheidung stehen.“

Firmvorbereitung 2 (c) Dorothée Schenk